DGINA zum Status quo der Weiterbildung Notfallpflege in Deutschland
Status quo der Weiterbildung Notfallpflege in Deutschland
Der Einsatz von speziell für die Notaufnahmen qualifiziertem Personal ist für die Qualität der Patientenversorgung essentiell. Insbesondere die Notfallpflege spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle, da Notfallpflegekräfte im Rahmen der Delegation eine hohe Verantwortung übernehmen. DGINA und DIVI haben in 2024 Empfehlungen zur Struktur und Ausstattung von Notaufnahmen publiziert, die auch die Notfallpflege beinhalten (1). Hiernach sollen in allen Notfallstufen die Pflegerische Leitung und Stellvertretung die Qualifikation Notfallpflege aufweisen. Mindestens eine Pflegekraft pro Schicht soll die Weiterbildung Notfallpflege besitzen oder in Weiterbildung hierzu sein, insgesamt soll > 30% des Personals die Weiterbildung Notfallpflege besitzen bzw. sich in Weiterbildung hierzu befinden (bei einem Personalschlüssel von 1 VK GKP/1200 Patientenkontakte/Jahr plus 1:4 Besetzung der Beobachtungsstation.
In einer 2023 durchgeführten gemeinsamen Umfrage der DGINA und der DIVI zeigte sich, dass zwar fast alle Notaufnahmen die vom G-BA vorgesehene Weiterbildung der verantwortlichen Pflegekraft zur Notfallpflege aufweisen, ansonsten aber Defizite bei der Anzahl der Personen mit der Qualifikation Notfallpflege und in der Erfüllung des empfohlenen Pflegepersonalschlüssels zu verzeichnen sind. (2, 3)
Die DGINA hat im Jahr 2025 eine Recherche zu den Weiterbildungsstellen für Notfallpflege durchgeführt und deren Kapazitäten abgefragt, um mögliche Engpässe in der Weiterqualifizierung der Pflegekräfte zur Notfallpflege zu identifizieren. Hierbei wurden 71 Weiterbildungsstätten identifiziert, welche die Weiterbildung zur Notfallpflege nach curricularer Weiterbildungsordnung der DKG bzw. in 6 Bundesländern auch nach Landesrecht anbieten. Von den antwortenden Weiterbildungsstätten (Rücklaufquote Stand 21.7.25: 78%) wurden insgesamt 2040 Plätze angeboten, die zu 79% ausgelastet waren. Nach Angaben der Weiterbildungsstellen wäre ein weiterer Aufbau von Kapazitäten bei entsprechender Nachfrage möglich.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass bundesweit Kapazitäten zur Weiterbildung Notfallpflege vorhanden sind. Mögliche Ursache von Defiziten in der Vorhaltung von fachweitergebildetem Pflegepersonal sind daher die mangelnde Bereitschaft der Krankenhäuser, Pflegekräfte weiter zu qualifizieren. Neben den Kosten der Weiterbildung könnte dies auf die zu geringe pflegerische Personalausstattung der Notaufnahmen zurückzuführen sein, welche einen Wegfall pflegerischer Ressource zum Zwecke der Weiterbildung nicht zulässt. Die DGINA hat sich daher immer wieder für die Einführung von Mindestpersonalbesetzungen in den Notaufnahmen, z.B. in der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung bei gleichzeitiger Refinanzierung ausgesprochen.
(DGINA, 24.07.2025, Download)
Literaturangaben
- Brod, T., Bernhard, M., Blaschke, S. et al.Empfehlungen der DGINA und DIVI zur Struktur und Ausstattung von Notaufnahmen 2024. Notfall Rettungsmed27 (Suppl 3), 223–240 (2024). https://doi.org/10.1007/s10049-024-01380-9
- Behringer, W., Graeff, I., Dietz-Wittstock, M. et al.Empfehlungen der notfallmedizinischen Gesellschaften DGINA, AAEM, SGNOR, DIVI, DGAI und DGIIN zur pflegerischen Besetzung von Klinischen Notfallzentren. Notfall Rettungsmed22, 330–333 (2019). https://doi.org/10.1007/s10049-019-0585-1
- Janssens, U., Brod, T., Hoffmann, F. et al. Bestandsaufnahme der Personalstrukturen und Ausstattung in 176 deutschen Notaufnahmen. Med Klin Intensivmed Notfmed (2025). https://doi.org/10.1007/s00063-025-01299-0
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- Veröffentlicht: 24. Juli 2025