Emergency Medicine Day 2026 - DGINA fordert besseren Schutz vor Gewalt in Notaufnahmen
PRESSEMITTEILUNG
Emergency Medicine Day 2026
DGINA fordert besseren Schutz vor Gewalt in Notaufnahmen
Dienstag, 26. Mai 2026
Berlin. Am 27. Mai findet weltweit der „Emergency Medicine Day“ statt. Unter dem diesjährigen Motto „Safe Space for Emergency Medicine Teams. Stop Violence Everywhere“ machen notfallmedizinische Fachgesellschaften auf die zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte in der Notfallversorgung aufmerksam. Auch die DGINA – Deutsche Gesellschaft für Notfallmedizin warnt: Gewalt gegen medizinisches Personal habe inzwischen ein Ausmaß erreicht, das die Sicherheit von Mitarbeitenden und Patienten gleichermaßen gefährde.
Daten aus einer aktuellen deutschlandweiten Befragung zeichnen ein alarmierendes Bild: 97 Prozent der Beschäftigten in Notaufnahmen und auf Intensivstationen berichten von verbaler Gewalt, 76 Prozent von körperlichen Übergriffen und mehr als die Hälfte von sexualisierter Gewalt. Drei Viertel der Befragten erleben Gewalt als alltäglichen Bestandteil ihrer Arbeit. Die Folgen für die Betroffenen reichen von Angst, Schlafstörungen und Burn-out bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen.
„Gewalt gegen Mitarbeitende in Notaufnahmen und im Rettungsdienst darf niemals als normal akzeptiert werden“, erklärt Nicole Kirchwehm, eine Sprecherin der Arbeitsgruppe „Gewaltfrei“ bei der DGINA. „Wir müssen Gewalt in der Notfallmedizin sichtbar machen, systematisch erfassen und gezielt bekämpfen.“
Strukturelle Probleme mitverantwortlich für Zunahme von Gewalt
Besonders häufig treten Übergriffe im Zusammenhang mit Alkohol- oder Drogenintoxikationen, langen Wartezeiten und Überfüllung der Notaufnahmen auf. Nach Ansicht der DGINA greift es aber zu kurz, Gewalt ausschließlich als Ausdruck gesellschaftlicher Verrohung zu betrachten. Häufig seien strukturelle Probleme mitverantwortlich: überlastete Notaufnahmen, fehlende Rückzugsräume, unzureichende Sicherheitskonzepte und chronischer Personalmangel erhöhten das Risiko für Eskalationen zusätzlich.
Die Fachgesellschaft fordert deshalb umfassende Maßnahmen zum Schutz von Beschäftigten in Notaufnahmen. Dazu gehören verpflichtende Deeskalationstrainings, eine systematische Erfassung von Gewaltvorfällen, psychosoziale Unterstützungsangebote für Betroffene, verbesserte Sicherheitskonzepte sowie eine bedarfsgerechte Personalausstattung. Auch Sicherheitsdienste, technische Alarmsysteme und bauliche Schutzmaßnahmen müssten stärker berücksichtigt und finanziert werden.
„Gewaltprävention ist keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern Voraussetzung für eine sichere Patientenversorgung“, betont Nicole Kirchwehm. „Nur wenn Beschäftigte geschützt arbeiten können, bleibt die Notfallversorgung langfristig leistungsfähig.“
Auch auf dem diesjährigen DGINA-Kongress, der vom 9. bis 13. Juni zusammen mit dem notfallmedizinischen Weltkongress ICEM in Hamburg stattfindet (https://dgina-kongress.de/) wird „Gewalt in Notaufnahmen“ Thema einer eigenen Session sein.
Weitere Infos zum Emergency Medicine Day gibt es hier: https://emergencymedicine-day.org/this-years-campaign/
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