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Für die Entwicklung der Notfallmedizin als eigenständige Fachrichtung in Deutschland ist es essentiell, dass die Forschung in der Akut- und Notfallmedizin ausgebaut und gefördert wird. YoungDGINA Research hat sich zum Ziel gesetzt, angehende und schon aktive Nachwuchswissenschaftler:innen in der klinischen sowie präklinischen Akut- und Notfallmedizin zu vernetzen, den Einstieg in die Forschung zu erleichtern und ein gemeinsames Fortbildungsangebot zu schaffen.

FoR:EM – Fundamentals of Research in Emergency Medicine

FoR:EM ist ein monatlicher Online-Journal Club und Fortbildungsreihe für junge Notfallmediziner:innen, unterstützt durch das Board Forschung & Wissenschaft der DGINA. Gemeinsam diskutieren wir aktuelle Studien und vertiefen unser Verständnis für wissenschaftliches Arbeiten in der Notfallmedizin.

Besonderen Wert legen wir auf Interprofessionalität, die Begleitung durch erfahrene Wissenschaftler:innen sowie einen geschützten Raum für Fragen und eine wertschätzende Atmosphäre.

Ziele des Journal Clubs:

  • Förderung des Verständnisses für Studiendesign, Methodik und kritische Datenbewertung

  • Vermittlung praktischer Fähigkeiten zur Bewertung der Methodik und Ergebnisse von Studien

  • Netzwerkbildung in der jungen akademischen Notfallmedizin

Ablauf und Termine:

Die Journal Clubs sowie FoR:EM Webinare finden jeweils am letzten Dienstag des Monats von 19:00 bis 20:00 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die aktuellen Themen und Termine findest Du hier auf der Website.

Nach der Sommerpause starten wir ab September 2025 mit dem Turnus der monatlichen FoR:EM Webinare, die gezielt auf den Journal Club vorbereiten. Der nächste reguläre Journal Club findet im April 2026 statt.

Die Zugangsdaten zur Teilnahme findest Du weiter unten.

Bisherige FoR:EM Aufzeichnungen


Interviewreihe

YoungDGINA Research interviewte 7 Expert:innen aus der notfallmedizinischen Forschung im deutschsprachigen Raum, um deren Erfahrungen zu verstehen, und um notfallmedizinische Forschung sichtbarer zu machen – basierend auf einem ähnlichen Interview unseres amerikanischen Pendants EMRA. Wir diskutierten mit Kolleg:innen aus Notfallpflege, Rettungsdienst, und Ärzteschaft, von jungen Wissenschafler:innen bis hin zu etablierten Professorinnen, über ihren Weg in die Wissenschaft, relevante Ausbildungen, Fallstricke, sowie hilfreiche Tipps. Gerne vermitteln wir auch Rückfragen an die Interviewten: schreib uns dazu an .

Vorstellung der Expert:innen
Ärztinnen und Ärzte

Dr. med. Jan-Steffen Pooth

Jan-Steffen Pooth ist Assistenzarzt und Arbeitsgruppenleiter am Zentrum für Notfall- und Rettungsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg und Head of Clinical Affairs bei einer Freiburger Medizinproduktefirma. Er studierte Humanmedizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Neben experimenteller Forschung im Bereich extrakorporale Reanimation setzt er sich für bessere Laienreanimation durch die wissenschaftliche Begleitung der Initiative „Region der Lebensretter“ ein. 

Prof. PD Dr. Jasmin Arrich, MSc

Jasmin Arrich ist Fachärztin für Innere Medizin und Associate Professor an der Universitätsklinik für Notfallmedizin der Medizinischen Universität Wien. Sie studierte Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien. Ihre Forschung beschäftigt sich unter anderem mit Temperaturmanagement beim Herz-Kreislauf-Stillstand.

Dr. med. Eva Diehl-Wiesenecker

Eva Diehl-Wiesenecker ist Fachärztin für Innere Medizin mit den Zusatzbezeichnungen „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ und „Palliativmedizin“. Sie ist Oberärztin in der Zentralen Notaufnahme der Charité Berlin, Campus Benjamin Franklin, seit November 2025 dort primär in der Forschung und zusätzlich als Oberärztin in der Palliativmedizin am Universitätsklinikum Augsburg tätig. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt an der Schnittstelle von Notfall- und Palliativmedizin, sowie auf Patient:innen mit seltenen Erkrankungen im Kontext der Notfallmedizin.

Notfallpflege

Alisa Cantarero Fernandez, MSc

Alisa ist Doktorandin am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Basel in der Schweiz. Im Rahmen der Akademie-Praxis-Partnerschaft zwischen der Universität Basel und dem Universitätsspital Basel arbeitete sie als diplomierte Pflegefachfrau mit geriatrischer Expertise im Geriatric Emergency Medicine Service (GEMS) des Notfallzentrums. Sie forscht an der nachhaltigen Verbesserung der Behandlungsqualität und -prozesse älterer Patient:innen im Notfall-Setting. 

Prof. Dr. Susanne Schuster

Susanne Schuster ist Professorin für Pflegewissenschaft und Leiterin des Masterstudiengangs Advanced Nursing Practice an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Sie ist examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und absolvierte ein Bachelorstudium in Pflegemanagement an der Evangelischen Hochschule Nürnberg und Masterstudium in Pflegewissenschaft an der UMIT in Hall/Tirol, arbeitete als Bereichsleitung in der Notaufnahme am Klinikum Fürth und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Klinikum Nürnberg. Aufbauend auf ihre Promotion an der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sind u.a. ihre Forschungsschwerpunkte die geriatrische Notfallpflege und Practice Development in Nursing and Healthcare in Acute/Critical Care. Ab 03/2026 ist es Susanne Schuster möglich als Mitglied im Promotionszentrum MeVuT Promotionen an der Evangelischen Hochschule Nürnberg eigenständig zu betreuen. 

Rettungsdienst

Dr. David Häske, MSc MBA

David Häske ist Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Zentrums für öffentliches Gesundheitswesen und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Tübingen, und Notfallsanitäter beim DRK Rettungsdienst Reutlingen. Er schloss einen Master in Emergency Health Services Management an der Universität Krems ab, und promovierte zum Thema „Validierung der Trainingseffektivität und Versorgungsstrategien in der prähospitalen Schwerverletzten-Versorgung“ an der Universität Tübingen. Aktuell forscht er zu Public Health, Öffentlicher Gesundheitsdienst und Notfallversorgung mit Schwerpunkt Versorgungsforschung und Fokus auf Analgesie, Traumaversorgung, NotSan-Evidenz und Systeme.

Dr. Philipp Dahlmann, PhD

Philipp Dahlmann ist Post Doc am Department of Health, Ethics & Society der Maastricht University, Niederlande, sowie Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Hochschule Deggendorf und Rettungssanitäter in Thurgau, Schweiz. Er ist Notfallsanitäter / Diplom Rettungssanitäter und absolvierte Masterstudiengänge in Sozialwissenschaften und Pädagogik. Philipp promovierte an der Universität Innsbruck in Bildungswissenschaften. Seine aktuelle Forschung verbindet präklinische Notfallmedizin mit Public Health.

Wie bist Du zur Forschung gekommen?

Steffen Pooth: Während dem Studium arbeitete ich als Rettungssanitäter beim DRK Freiburg und lernte dort einen Kardiotechniker kennen, der sich nebenberuflich noch als Rettungsassistent engagierte. Er erzählte mir von einer experimentellen Arbeitsgruppe in der Herzchirurgie, die im Großtierversuch einen neuen Perfusionsansatz evaluieren würde. Zwei Monate später stand ich im Großtier-OP der Uniklinik und war neuer Doktorand der Arbeitsgruppe. Schlussendlich hat es mich dann gepackt/fasziniert und ich bin dabeigeblieben.

Jasmin Arrich: Ich habe mich während des Studiums immer für Medizinjournalismus und Forschung interessiert und hatte dann Gelegenheit meine Doktorarbeit an der Univ. Klinik für Neurologie und Univ. Klinik für Notfallmedizin zu schreiben, mit zwei sehr tollen Mentoren. Ich habe dann die Doktorarbeit sehr gut publizieren können und eine Drittmittelstelle an der Univ. Klinik für Notfallmedizin bekommen wo meine Aufgabe teils klinisch, teils wissenschaftlich definiert war.

Eva Diehl-Wiesenecker: Meine berufliche Laufbahn habe ich in der Hämatologie begonnen, da gab es sowohl Patient:innen mit seltenen Erkrankungen als auch mit Palliativbedarf, aber wenig Projekte mit klinisch-praktischer Relevanz. Erst als ich meine Begeisterung für die Notfallmedizin entdeckt hatte, habe ich gesehen, dass gerade dort diese Patientengruppen unterversorgt sind und man deren Versorgung gezielt verbessern an.

Alisa Cantarero Fernandez: Während meines Masterstudiums in Pflegewissenschaft an der Universität Basel habe ich nach dem ersten Jahr die Vertiefung Forschung gewählt. Die Themen haben mich von Anfang an fasziniert und diese Entscheidung hat meine berufliche Zukunft entscheidend geprägt.

Susanne Schuster: Bereits im Bachelorstudium konnte ich über ein ½ jähriges Praktikum Erfahrung an einem pflegewissenschaftlichen Forschungsinstitut sammeln. Mein Masterstudium hat mich bestätigt weiterhin forschend tätig sein zu wollen, was sich durch mein intensives Promotionsprojekt verstetigte. Neben der Lehre liegt mir die Nachwuchsförderung sehr am Herzen. Ich betreue sowohl Bachelor- als auch Masterarbeiten und Promotionen aus dem Bereich der Notfallversorgung und freue mich auch auf künftige weitere Forschungsprojekte fachlich und methodisch begleiten zu können. Somit bin ich nun eher Forschungsbegleiter.

David Häske: über den Rettungsdienst und Ausbildung.

Philipp Dahlmann: über die NotSan Ausbildung, hier kam die Idee meine Uni-Studieninhalte mit den Fragen aus der rettungsdienstlichen Praxis zu verknüpfen. Zu anfangs eher für die Berufsfachschule und Ausbildungsinhalte dann zunehmend auch für andere Fragestellungen.

Welche Ausbildung und Trainings hast Du im Zusammenhang mit deiner Forschungsarbeit erhalten?

Steffen Pooth: Ich habe als Student ein halbes Jahr ausgesetzt und vor Beginn der experimentellen Arbeit Tierversuchs- bzw. Tierschutzkurse besucht. Mit der Zeit kamen dann Laborleitungskurse, Studienleitungskurse (AMG, MPDG) und Statistikseminare hinzu. Sehr bereichernd war für mich auch die Teilnahme an einer DFG Nachwuchsakademie mit Unterstützung bei der Erstellung eines Förderantrags.

Jasmin Arrich: Zunächst die Mentorarbeit meiner Betreuer der Doktorarbeit mit viel Selbststudium, dann ein Stipendium für einen Bachelor und später MSc in Clinical Research.

Eva Diehl-Wiesenecker: Ich habe kaum an speziellen Methodikkursen teilgenommen, habe aber zunächst bei allen Projekten und Aufgaben – z.B. Ethikantrag schreiben, Fragebogen konzipieren und programmieren, Mitarbeit an einem digitalen Startup, statistische Auswertungen etc. - mitgemacht und mich parallel in verschiedenen Arbeitsgruppen und Gremien vernetzt. So konnte ich mir zum einen manche Fähigkeiten über learning by doing aneignen und habe zum anderen immer mehr Expert:innen für die verschiedensten Fragen kennengelernt.

Alisa Cantarero Fernandez: Während im Masterstudium vieles theoretisch blieb, kann ich im Doktorat alle Bereiche nun praktisch anwenden. Durch verschiedene Formate fördert die Universität Kompetenzen in Statistik, wissenschaftlichem Schreiben und Publizieren, Kommunikation, professioneller Selbstkompetenz, Projektmanagement und Karriereentwicklung, was mich fachlich und persönlich wachsen lässt.

Susanne Schuster: Sowohl im Bachelor- als auch Masterstudium wurden Grundlagen zur Durchführung von Forschungsprojekten vermittelt. Zudem konnte ich meine Kompetenzen im Rahmen meiner Tätigkeit als Leiterin der Studienzentrale am Klinikum Fürth und über meine Promotion, betreut von Prof. Dr. Harald Dormann, erweitern.

David Häske: Management-Studium, Promotion mit Schwerpunkt Versorgungsforschung über dreieinhalb Jahre.

Philipp Dahlmann: Meine Ausbildung und das Training für diese Forschungsarbeit waren anfänglich alles andere als konventionell – tatsächlich musste ich mir diesen Weg aktiv selbst erschließen. 2018 war mein Thema noch ein echtes Pionierfeld, und spezialisierte akademische Angebote oder etablierte Ansprechpartner, David Häske ausgenommen, gab es kaum. Diese Ausgangslage zwang mich dazu, proaktiv zu agieren und mir die nötige interdisziplinäre Expertise zu sichern, indem ich einen habilitierten Mediziner und einen Bildungswissenschaftler für die Betreuung meiner Diss gewann.

Wie hast Du eine/n Mentor:in gefunden?

Steffen Pooth: Mit großem Glück und Zufall! Ich bewarb mich initiativ beim damaligen Ärztlichen Direktor der Herzchirurgie für die Arbeit und in der Arbeitsgruppe durften die Doktorand:innen ihm und meinem Doktorvater wöchentlich die experimentellen Arbeitsergebnisse präsentieren (früher habe ich wohl eher „musste“ gesagt). Schlussendlich war das eine harte, aber sehr lehrreiche Zeit. Die Mentor-Beziehung mit den Beiden ist dann über die Zeit entstanden.

Jasmin Arrich: habe aus Interesse Kurse in Medizinjournalismus und Epidemiologie besucht, der Professor war so toll, dass ich alle seine weiteren Kurse besucht hab und später angefragt habe ob er meine Doktorarbeit betreuen will, er ist zum Mentor geworden.

Eva Diehl-Wiesenecker: Meine Mentoren waren zunächst mein Chef und ein nur wenige Jahre älterer Kollege, der ein paar Schritte weiter war und mich an vielen seiner Projekte mitmachen ließ und viele Tricks verraten hatte, wie zum Beispiel den Aufbau eines Reviews, Hausarbeitenbetreuung als Anker, um motivierte Studierende (und spätere Doktoranden kennenzulernen), die Kommunikation mit Pharmavertreter:innen und die Personalführung. Später kamen dann mehrere Kolleg:innen aus dem größer werdenden Netzwerk dazu, die an den selben Schnittstellen arbeiten, zum Beispiel im Rahmen meiner Mitgliedschaft in der AG Ethik der DGINA, im Ethikkommitee der EUSEM, als Sprecherin der AG Intensiv- und Notfallversorgung der DGP und als Vorstandmitglied der ACP-Deutschland.

Alisa Cantarero Fernandez: Das lief ziemlich pragmatisch. Meine Mentorin ergab sich durch ihre Schwerpunkte in den Bereichen älterer Menschen und Implementierungswissenschaften, und da ich meinen Master am gleichen Institut abgeschlossen hatte, war der Kontakt schnell hergestellt.

Susanne Schuster: Über meine Funktion als pflegerische Leitung hat sich der Kontakt zu Prof. Dormann als ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Fürth ergeben. Herr Dormann hat mich intensiv gefördert, bei wissenschaftlichen Projekten und in der DGINA eingebunden, was mich ermutigt hat auch meine Promotion unter seiner Betreuung zu realisieren.

David Häske: über assoziierte Forschungsgruppen.

Philipp Dahlmann: Meine Mentorinnen und Mentoren fand ich direkt im Rahmen meiner praktischen Tätigkeiten und Lehre. Dort konnte ich gezielt inspirierende Persönlichkeiten ansprechen und sie für eine engere fachliche Zusammenarbeit sowie weiterführendes Mentoring gewinnen.

Was macht für Dich eine/n gute Mentor:in aus?

Steffen Pooth: Gute Mentor:innen schaffen die Balance bzw. den Drahtseilakt zwischen Motivator, Forderer und Förderer, sind (regelmäßig/ zu festen Terminen) erreichbar und möchten dich vor den eigenen Fehlern und Negativerlebnissen bewahren.

Jasmin Arrich: Ein Kommittent zur Unterstützung und ehrliches Interesse am Fortkommen der Mentee, auch über die rein wissenschaftlichen Belange hinaus, Erreichbarkeit, Professionalität, Freundlichkeit, Fairness, Kompetenz, ein Netzwerk, das auch gern zur Verfügung gestellt wird.

Eva Diehl-Wiesenecker: Ein/e gute Mentor:in ist für mich jemand, der nicht zu früh kluge Ratschläge gibt, sondern Verantwortung überträgt und einen einfach mal machen lässt. Wichtig ist also weniger Micromanagement, sondern Vertrauen und das kombiniert mit ehrlichem Feedback.

Alisa Cantarero Fernandez: Eine gute Mentorin oder ein guter Mentor ist im Doktorat besonders wichtig, da in dieser Zeit eine intensive Rollen- und Persönlichkeitsentwicklung stattfindet. Empathie, Wohlwollen, Coaching-Kompetenzen, fachliche Stärke, Integrität, regelmäßiger Austausch und der Blick für das große Ganze sind für mich entscheidend.

Susanne Schuster: Das Interesse an Nachwuchsförderung mit allen Höhen und Tiefen. Ein intensives Coaching u.a. bei der Erstellung von Studienprotokollen und Publikationen sowie die Zeit für einen Austausch bei Herausforderungen und Problemen. 

David Häske: fordern und fördern – hohe fachliche und soziale Kompetenz – Freude an der Arbeit.

Philipp Dahlmann: Eine gute Mentorin oder ein guter Mentor zeigt echte Wertschätzung für die Person und ihre Ideen, selbst wenn diese noch ungewöhnlich oder unausgereift wirken. Entscheidend ist der konstruktive Support, der die Motivation anerkennt und Projekte gezielt weiterentwickelt.

Worauf konzentrieren sich Deine aktuellen Projekte? Wie hast Du deine Nische gefunden bzw. wie findest du sie gerade?

Steffen Pooth: Experimentell beschäftigen wir uns aktuell in einem Großtiermodell mit der zerebralen Perfusionsmessung während konventioneller und extrakorporaler Reanimation und der Validierung von nicht-invasiven Messmethoden. Klinisch koordiniere ich eine Multizenterstudie zur Ersthelferalarmierung bei außerklinischem Herz-Kreislaufstillstand. Wie habe ich meine Nische gefunden? Ich habe anfangs zu allem „Ja“ gesagt, habe versucht, herauszufinden, was mich interessiert und bin dann meinen Interessen gefolgt.

Jasmin Arrich: Durch die Arbeit meiner Forschungsgruppe und später auch eigene Interessen Die aktuellen Projekte betreffen die CPR Forschung, Epidemiologie, Shared Decision Making.

Eva Diehl-Wiesenecker: Wenn man bei meinen Projekten einen roten Faden sucht, dann beziehen sie sich alle auf Patientengruppen, die in der Notaufnahme eher untergehen. Konkret beschäftige ich mich mit Projekten zur Vorsorgeplanung inkl. der Entwicklung eines deutschlandweiten Notfallausweises, dem Screening auf palliativmedizinischen Bedarf und der Integration palliativmedizinischer Interventionen bei Patient:innen in der Notaufnahme sowie der Kommunikation zur Therapiezielfindung. Zudem setzte ich mich für die frühzeitigen Erkennung von und Schaffung von Bewusstsein für Patient:innen mit seltenen Erkrankungen ein. Letzteres kam über meinen Chef, als ich eine Sprechstunde übernehmen durfte und plötzlich etwas Eigenes hatte. Palliativmedizin in der Notfallmedizin wollte ich dann selber als Schwerpunkt aufbauen, weil ich beide Welten kannte – richtig Fahrt aufgenommen hat es aber erst, als ich ein paar Mitstreiter:innen gefunden habe, die auch den Bedarf sahen.

Alisa Cantarero Fernandez: Unser Forschungsprojekt „FRED“ (age-Friendly Emergency Department) konzentriert sich auf die nachhaltige Verbesserung von Prozessen für eine altersgerechte Notfallversorgung ab 65 Jahren. Dass ich zuvor im Notfallzentrum des Universitätsspitals Basel gearbeitet habe, half mir, meine Nische zu finden, und durch die Unterstützung der ärztlichen und pflegerischen Leitung konnte ich das Projekt umsetzen.

Susanne Schuster: Meine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind Advanced Nursing Practice und Practice Development in Nursing and Healthcare in Acute/Critical Care. Schwerpunkte sind die Bearbeitung von klinisch relevanten Fragestellungen in diesen Bereichen über angewandte Forschungsprojekte mit dem Ziel konkrete Lösungen und innovative Versorgungsmodelle zu entwickeln, die helfen die (pflegerische/interdisziplinäre) Versorgung zu verbessern.

David Häske: Public Health und Versorgungsforschung, Forschung rund um das Thema Rettungsdienst, Analgesie, Trauma, System, NotSan.

Philipp Dahlmann: Ich suche noch. Aktuell konzentriere ich mich darauf, Kompetenzentwicklungen in Patientensicherheit, Evidenzbasierung und Patientenzentrierung auf verschiedenen Ebenen zu ermöglichen, etwa durch die Weiterentwicklung von Curricula, Debriefing und Supervision.

Warum forschst Du?

Steffen Pooth: Experimentell: Weil es mich fasziniert, neue Ansätze auszuprobieren und Ideen zu entwickeln und zu verfolgen. Klinisch: Weil es Freiräume/Möglichkeiten generiert und es mir erlaubt, Prozesse wissenschaftlich fundiert mitzugestalten.

Jasmin Arrich: weil es Spaß macht und ich ein Talent dafür hab.

Eva Diehl-Wiesenecker: Ich forsche, weil mich in der klinischen Routine immer wieder Dinge stören, bei denen ich denke: das müsste doch besser gehen. Und irgendwann merkt man, dass man mit Projekten, auch mit kleinen, wirklich etwas verändern kann. Es macht Spaß zu sehen, wie aus einer Idee plötzlich etwas Greifbares wird, das auch andere interessiert. 

Alisa Cantarero Fernandez: Forschung ist für mich ein zentraler Bestandteil von Entwicklung und Fortschritt. Sie hilft uns, Prozesse und Zusammenhänge besser zu verstehen und daraus Verbesserungen abzuleiten, die sowohl Patient:innen als auch Mitarbeitenden zugutekommen.

Susanne Schuster: Spaß und Neugier mit dem Ziel etwas verändern zu können! Ein klarer Anwendungsbezug ist mir sehr wichtig.

David Häske: Neue Erkenntnisse gewinnen, Probleme identifizieren, wesentlich aber die Patientenversorgung, sowie das System und deren Beteiligten zu verbessern.

Philipp Dahlmann: Ich forsche, weil ich überzeugt bin, dass Patientinnen und Patienten einen Anspruch auf die bestmögliche, wissenschaftlich fundierte Versorgung haben. Gleichzeitig möchte ich dazu beitragen, dass Fachkräfte optimale Arbeitsbedingungen vorfinden, was wiederum fundierte Evidenz und deren Implementierung erfordert.

Was nervt Dich an Forschung?

Steffen Pooth: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für junge Kolleg:innen im beruflichen Umfeld zwei Unterstützungsformen gibt: Entweder man bekommt Zeit/Ressourcen und muss/darf sich und seine Idee dann beweisen oder man muss erst komplett in Vorleistung gehen, sich und die Idee beweisen und erhält danach dann Zeit/Ressourcen. Im klinischen Umfeld ist anfangs leider oft eher Letzteres der Fall. (Ich hoffe inständig, dass unsere Doktorand:innen mir hier widersprechen würden) :).

Jasmin Arrich: die fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten für klinischen Forschung in Österreich.

Eva Diehl-Wiesenecker: Mich nervt, wie viel Forschung sich erstmal nicht nach Erkenntnis, sondern nach Verwaltung anfühlt: Ethikanträge, Verträge, Drittmittelorganisation. Manchmal hat man das Gefühl, erst ein paar langweilige Level durchspielen zu müssen, bevor man dort ankommt, wo es Spaß macht. Gerade in der Forschung mit vulnerablen Patientengruppen ist das natürlich wichtig, aber ich glaube, dass man das in Zukunft noch gebündelter und trotzdem mit dem nötigen Respekt vor den Patienten hinbekommen kann und hier hat man dann auch irgendwann die Chance mitzugestalten.

Alisa Cantarero Fernandez: Das Wort „nerven“ trifft es für mich nicht ganz. Herausfordernd finde ich, dass Frauen in der Forschung noch immer nicht gleichgestellt sind und gleichzeitig Themen rund um Frauen in der medizinischen Forschung oft zu wenig Beachtung finden. In beiden Bereichen braucht es mehr Bewusstsein und gezielte Förderung.

Susanne Schuster: Die erschwerte Dissemination von Forschungsergebnissen in die Praxis.

David Häske: Finanzierung Drittmittel und Vertragsmodalitäten.

Philipp Dahlmann: Was mich an der Forschung stört, sind die oft prekären Anstellungsverhältnisse – befristet und schlecht bezahlt. Hinzu kommt, dass für Notfallsanitäter kaum etablierte wissenschaftliche Karrierewege existieren, was viel Trial-and-Error bedeutet und die Etablierung erschwert.

Was motiviert Dich?

Steffen Pooth: Ich habe das unglaubliche Glück mit bzw. viel mehr in einem experimentellen und klinischen Team arbeiten zu dürfen, die meine Begeisterung für unsere Forschungsthemen teilen. Der translationale Aspekt unserer Arbeit und der Ausblick auf Veränderungen im klinischen Alltag bzw. Übersetzung unserer Erkenntnisse in diesen sind für mich die größte Motivation.

Jasmin Arrich: interessierte Kollegen. 

Eva Diehl-Wiesenecker: Mich motiviert am meisten, wenn man merkt, dass ein Projekt wirklich etwas verändert kann und Patient:innen oder das Team in der Notaufnahme das wahrnehmen. Und ich mag es sehr, nicht alleine an den Fragen zu sitzen, sondern auf Kongressen oder in Netzwerken Menschen zu treffen, die genauso ticken. Daraus entstehen dann die besten Ideen.

Alisa Cantarero Fernandez: Zu wissen, dass wir Systeme kontinuierlich verbessern können, zum Wohl unserer Patient:innen und zur Unterstützung unserer engagierten Kolleg:innen im Notfallsetting, motiviert mich sehr. Persönlich inspiriert mich, dass ich dabei spannende Menschen kennenlernen darf, sei es Patient:innen im klinischen Alltag oder nationale und internationale Forschungskolleg:innen im Bereich der geriatrischen Notfallmedizin.

Susanne Schuster: Zu sehen, wie Nachwuchsförderung gelingt und wie sich über diese Personen (wenn auch nur langsam) die Versorgung optimiert.

David Häske: tolle Kolleginnen und Kollegen, der Mehrwert der Sache.

Philipp Dahlmann: Mich motiviert die Zusammenarbeit mit engagierten Menschen und zu sehen, wie kleine Projekte in der Praxis eine positive Veränderung bewirken. Besonders antreibt mich die Vision eines Rettungsdienstes, der durch wissenschaftliche Erkenntnisse stetig besser wird.

Welche Fähigkeiten sind Deiner Meinung nach in der notfallmedizinischen Forschung am wichtigsten? Wie hast Du diese Fähigkeiten erworben?

Steffen Pooth: Ich glaube in jeder Forschung gilt: Man braucht Durchhaltevermögen bzw. einen langen Atem, Frustrationstoleranz und die Fähigkeit, sich und seine Ideen/Faszination verkaufen zu können. Es hilft enorm, wenn man vom Ziel bzw. der Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit überzeugt ist. Ich behaupte, dass ich außerdem ein Optimist bin. Das hilft auch… manchmal :)  

Jasmin Arrich: 1. Eine gute Basisausbildung in klinischer Forschung - Kurse; 2. Fähige Mentoren – diese hab ich in den Kursen kennengelernt und aktiv angesprochen; 3. Die Fähigkeit offene relevante Fragen des klinischen Alltags zu erkennen mit wissenschaftlichen Projekten zu beantworten – ich weiß nicht ob ich diese Fähigkeit habe.

Eva Diehl-Wiesenecker: Neugierde – das war ich schon immer, vielleicht manchmal ein bisschen zu sehr. Daneben kritisches Denken, auch eine hohe Frustrationstoleranz und die Lust zu kommunizieren. Wahrscheinlich bringen viele von euch diese Fähigkeiten schon mit, aber ohne die Netzwerke hätte zumindest ich verschiedene Rückschläge doch nicht ausgehalten.

Alisa Cantarero Fernandez: Nah am Geschehen zu bleiben und den Blick für die Realität nicht zu verlieren, ist für mich entscheidend in der Notfallmedizin-Forschung. Der Einbezug der Betroffenen in die Forschung ist dabei unverzichtbar, um einen wirkungsvollen und nachhaltigen Effekt zu erzielen. Die Implementierungswissenschaften bieten dafür eine wertvolle Grundlage, ergänzt durch den Austausch mit Expert:innen aus verschiedenen Fachbereichen, zum Beispiel der Verhaltenspsychologie, sowie durch vertiefende Lernformate wie Summer Schools.

Susanne Schuster: Interdisziplinär zu denken. Es kann nicht die Notfallmedizin oder Pflegewissenschaft singulär betrachtet werden. Die Forschung im Kontext der Notfallversorgung muss schnittstellen- und disziplinübergreifend betrachtet werden. Die genutzten Methoden müssen dabei von allen Professionen verstanden werden. Sowohl qualitative Ansätze als auch analytische oder deskriptive Studiendesigns im Quer- oder Längsschnitt haben (je nach Fragestellung) ihre Berechtigung.

David Häske: wissenschaftliche Expertise auf der einen Seite aber auch der Praxisbezug. Studium und Ausbildung – meist aber hohe intrinsische Motivation.

Philipp Dahlmann: Die wichtigsten Fähigkeiten in der Notfallmedizin-Forschung sind Beharrlichkeit – es ist eher eine Alpenüberquerung als ein Marathon – und der Umgang mit Komplexität. Man lernt, selbst bei vielen Spannungsverhältnissen und Widersprüchlichkeiten, ruhig und reflektiert vorzugehen, um Fortschritt zu erzielen.

Welche Herausforderungen (erwartet oder unerwartet) sind Dir auf deinem Weg in die Forschung begegnet und wie hast Du diese überwunden?

Steffen Pooth: Zeitmanagement und unerwartete Ergebnisse! Ersteres ist ein langer Lernprozess und unterliegt auch äußeren Einflüssen... Zu Letzterem hat Konstantin-Alexander Hossmann mir mal gesagt: „Freut euch über Ergebnisse, die nicht so ausfallen, wie ihr sie erwartet habt. Sie bringen uns weiter und machen die Arbeit interessant.“

Jasmin Arrich: Menschen die Deine Zeit verschwenden – diese zu erkennen und sich schrittweise davon zu lösen (ohne Schaden zu nehmen), Forschungsförderung ist derzeit wirklich schwer zu bekommen – da hab ich noch keine gute Antwort gefunden, außer das Land zu wechseln.

Eva Diehl-Wiesenecker: Zu erwarten war, dass es in der Notfallmedizin weniger etablierte Strukturen als z.B. in der Hämatologie gibt. Das ist Fluch und Segen zugleich. Man kann sich mit neuen Ideen austoben (was auch mein Chef immer sehr unterstützt hat), andererseits ist man für viele Prozesse und Wege die/der „Erstbeschreiter:in“. Nicht erwartet (oder mir nicht eingestanden) hatte ich, dass es wirklich nicht möglich ist alle Bälle zwischen klinischer Versorgung, Forschungsprojekten, Familie und Freunden gleichzeitig in der Luft zu halten und man immer irgendwo Abstriche machen muss.

Alisa Cantarero Fernandez: Forschung ist ein sich stetig entwickelndes Feld, in dem unerwartete Herausforderungen zum Alltag gehören. Flexibilität, Lösungsorientierung und der Fokus auf die zentrale Forschungsfrage helfen, sie zu meistern.

Susanne Schuster: Die Annahme als Promovendin an einer medizinischen Fakultät war die größte Herausforderung. Mit viel Unterstützung und Empfehlungsschreiben, die auch mir eine methodische Kompetenz auswiesen, war es möglich. Hier freue ich mich, dass ich nun selbst pflegewissenschaftliche Promotionen betreuen darf und diese Hürde andere nicht mehr gehen müssen.

David Häske: Wenig Zeit und wenig Mittel, je nach Thema eher politische Diskussionen als wissenschaftlicher Diskurs. --> Fakten schaffen.

Philipp Dahlmann: Die größte Herausforderung war, als Notfallsanitäter einen eigenen Forschungsweg zu etablieren, da etablierte Vorbilder meist Ärzte sind und deren Karriereweg nicht direkt übertragbar ist. Diesen individuellen Pfad zu meistern und gleichzeitig die hohe Belastung aus Rettungsdienst und akademischer Arbeit auf gutem Niveau zu balancieren, erfordert viel Anpassungsfähigkeit und Engagement.

Welchen Rat würdest Du Personen geben, die mit der Forschung beginnen möchten, aber keine Strukturen für Forschung in der Notfallmedizin an ihrer Einrichtung haben?

Steffen Pooth: Sucht euch Partner (in crime)! Die Notfallmedizin ist vielseitig. Wenn es noch keine konkrete Arbeitsgruppe zur Notfallmedizin gibt, dann gibt es eventuell Gruppen zur Notfall-Bildgebung/Neurologie/Traumatologie an der Einrichtung? Ansonsten schreibt notfallmedizinische Gruppen an und lasst euch connecten/vermitteln.

Jasmin Arrich: 1. Ein kleines überschaubares Thema suchen 2. Verbündete suchen, ohne Vorgesetzte die das Projekt fördern geht gar nichts, dann lieber die Abteilung wechseln 3. Kurse besuchen (kann auch online sein) wie man Forschung an der Klinik macht 4. Kleine Projekte abschließen, 5. Mindestens 3 Publikationen in dem Thema erreichen 6. Gelder akquirieren.

Eva Diehl-Wiesenecker: Sucht euch (mindestens) eine/n Partner in Crime für euer Projekt – in der Klinik oder über Arbeitsgruppen. Dann geht mit offenen Augen durch den Alltag und fragt euch bei den Dingen, die „komisch normal“ sind, ob man das nicht besser machen könnte. Und wenn ihr eine gute Fragestellung oder Idee habt, überzeugt euren Chef oder eure Chefin, damit sie grundsätzlich mitgehen. Hilfreich ist noch Anschluss an Leute mit universitärer Infrastruktur, hier gibt es meistens für jedes Problem irgendwo versteckt jemand, der sich damit auskennt.

Alisa Cantarero Fernandez: Networking ist in der Forschung die halbe Miete. Suche nach Schlüsselpersonen, traue dich, sie direkt anzuschreiben, und nutze bestehende Strukturen – in meinem Fall hat die Akademie-Praxispartnerschaft geholfen, das FRED-Projekt von Grund auf zu entwickeln.

Susanne Schuster: Es braucht eine solide Ausbildung. Ohne einen akademischen Abschluss, sollte Forschung nicht betrieben werden. Dadurch könnte sonst die Gefahr entstehen, dass Pseudoforschung betrieben wird. Bei den Medizinern ist das selbstverständlich. Aber auch die Pflege muss das lernen. Zudem braucht es Mentoren, die unterstützen und begleiten – ob über Hochschulen oder die eigene Einrichtung. Ein Alleinkampf wird nur schwer umzusetzen sein. 

David Häske: es ist alles möglich (aber zäh); Kontakte knüpfen, an Programmen und Fortbildungen teilnehmen, motiviert bleiben.

Philipp Dahlmann: Ich würde unbedingt einen (berufsbegleitenden) Studiengang empfehlen, um dort eigene Forschungsideen auszuprobieren. Wichtig ist auch, die Ergebnisse zu veröffentlichen – sei es in Vorträgen oder Publikationen –, um den Diskurs zu ermöglichen und aktiv daran zu partizipieren.

Was hättest Du gerne schon vorher gewusst?

Steffen Pooth: Alle kochen nur mit Wasser!  Und es gibt im Leben und in der Forschung keine Abkürzungen. Man möchte eine Fragestellung mit eigenen Daten solide beantworten? Dann sollte man sich in ein geeignetes Statistikprogramm einarbeiten und Beratungs- und Weiterbildungsangebote suchen und wahrnehmen. Das erspart einiges an Nerven und schlussendlich Zeit.

Jasmin Arrich: Dinge die nichts bringen soll man rasch verlassen oder loswerden.

Eva Diehl-Wiesenecker: Ich habe recht spät mit Projekten angefangen und hätte gerne früher gewusst, was für eine Welt sich eröffnet, wenn man anfängt, eigene Fragen zu stellen und eingefahrene Wege zu verlassen. Gleichzeitig kann man darin auch ziemlich leicht untergehen, weil plötzlich alles spannend ist und man überall dabei sein will. Klinik, Forschung, Lehre, Familie klappt einfach nicht alles gleichzeitig auf hohem Niveau, es gibt Phasen, in denen das eine mehr im Vordergrund steht als das andere und hier muss man immer mal wieder reevaluieren, umstrukturieren und die Abstriche gelegentlich versuchen, entspannt zu akzeptieren. Ach und, das klingt vielleicht banal, aber kann gerade am Anfang leicht untergehen: es ist die wesentlich größere Kunst, Projekte zu Ende zu bringen als diese anzufangen - und es macht auch noch mehr Spaß.

Alisa Cantarero Fernandez: Dass das Doktorat dein Leben auf den Kopf stellt und vieles anders kommt als geplant, beruflich wie privat. Eine Rollen- und Persönlichkeitsentwicklung bedeutet Bewegung im System, und wer sich darauf einlässt, kann daraus etwas Großartiges entstehen lassen.

Susanne Schuster: Welche Optionen es beruflich gibt, wenn man forschend tätig sein möchte. In welchen Positionen ist dies möglich und welche Voraussetzung braucht es um in solche Positionen zu kommen.

Philipp Dahlmann: Ehrlich gesagt, hätte ich mir gewünscht, von Anfang an zu wissen, wie viel Geduld und langen Atem die Forschung wirklich braucht. Man stellt sich das manchmal wie einen Sprint vor, dabei ist es eher ein langer, manchmal mühsamer Weg. Wenn eine Publikation auch mal zwei Jahre dauert, kann das schon zäh sein, und das hätte mir so manche Ungeduld erspart. Aber genau das macht es dann auch so unfassbar lohnenswert. Wenn man diese eine Publikation dann endlich in den Händen hält, ist das ein tolles Gefühl. Und das Schönste ist, wenn die eigene Arbeit dann tatsächlich im Rettungsdienstalltag ankommt und man merkt: 'Hey, das, was ich erforscht habe, hilft wirklich! Es verbessert die Versorgung für die Patient:innen oder macht unseren Job ein Stückchen besser.' Dieses Gefühl, einen echten, positiven Unterschied zu machen, ist der größte Antrieb und macht jede Anstrengung wieder wett.


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Dr. Dr. med. univ. Luca Ünlü
Leitung YoungDGINA Research

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