I love emergency lung ultrasound ….

Ich bin ja froh, dass ich im Gegensatz zu US-amerikanischen Kollegen der Emergency Departments in meiner Ausbildung Sonographie und Echokardiographie erlernen durfte. Häufig wurde ich an meiner früheren Arbeitsstelle in Basel zwar von einigen belächelt („jetzt kommt der Sono-Man“), wenn ich das kleine Sonogerät rausgezogen habe … zwischenzeitlich ist die Sonographie auch dort seit Jahren etabliert. Der Leitende Arzt Christian Nickel erzählt mir immer begeistert davon.

Aber einiges ist für mich doch etwas überraschend: Die Notfallsonographie nimmt Fahrt auf und notfallmedizinische Aspekte können sonographisch beantwortet werden, wo ich früher nur milde den Kopf geschüttelt habe: ABER: Ich komme neuen notfallmedizinschen Techniken gar nicht mehr aus: E. Glöckner aus unserer Klinik ist absolut fasziniert von der Notfallsonographie und hat viele neue Techniken in unser Team eingeführt. Die Akzeptanz und die technische Fähigkeit dauern zwar etwas … aber das ist ganz normal.Und nachdem ich am WE üblicherweise nichts zu tun habe, habe ich am 3.11.2012 den Hessischen Internistentag besucht … und Raoul Breitkreutz, einen Bekannten aus früheren Tagen getroffen … und seinen Vortrag gehört:

Ich bin absolut überrascht, welche Möglichkeiten die Notfallsonographie bei der Notfallintubation bietet: Überzeugend lässt sich durch Auflegen eines Linear- Schallkopfes oberhalb des Manubrium Sterni nachweisen, ob ein Patient korrekt intubiert wurde, oder der Tubus ösophageal liegt. Sicherlich ist dies für den Profi von untergeordneter Bedeutung … er kennt seine Techniken wie 1) Laryngoskop noch kurz in-loco belassen, kontrollieren, ob der Tubus zwischen den Ari-Knorpel verschwindet oder 2) die Kapnographie, die eigentlich auch in Notaufnahmen zwischenzeitlich Standard sein sollte. Aber das TRUE Konzept („tracheal rapid ultrasound examination„) ist ein ideales Tool, um z.B. die Intubation von jüngeren Kollegen „online“ zu monitorisieren. Lassen Sie sich davon überzeugen, mich hat Raoul absolut überzeugt.

Und dann kann natürlich die Notfallsonographie eingesetzt werden, um eine einseitige Intubation zeitnah zu erkennen. Der Nachweis von Lung Sliding beidseitig ist ein sehr sicheres Zeichen, um eine beidseitige Intubation nachzuweisen. ABER: Es gibt natürlich falsch-positive und auch falsch-negative Ergebnisse. Dies hängt von der Pathologie des betroffenen Patienten ab. Lesen Sie dazu auch noch das hervorragende Editorial unseres Frankfurter Kollegen R. Breitkreutz.

Und? Sind Sie schon Fan der Notfallsonographie? Lassen Sie sich doch durch unsere Kollegen, die Deutschland-weit dies Konzepte in Schulungsprogrammen vermitteln, überzeugen. Und überzeugen Sie auch Ihr Team davon, dass die Notfall-Sonographie einen größeren Stellenwert in deutschen Notfallaufnahmen einnehmen wird!

Und wie es der Zufall so will, wurde eine tolle Videoaufzeichnung zu dieser Technologie bei „Ultrasound Podcasts“ eingestellt. Sie werden begeistert sein!

Sätze wie „Das haben wir früher aber nicht gemacht“ sollten der Vergangenheit angehören!!! Viel Spaß! Die Lernkurve ist wirklich rasend schnell! Das hat mich auch überzeugt 😉

 

 

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9 Gedanken zu „I love emergency lung ultrasound ….

  1. Great! Glad to read a post like that! Have you seen the most recent addition to Emergency Ultrasound Teaching? Matt Dawson and Mike Mallin – those two taught me a lot http://bit.ly/VhXnsM

    I apologize for writing in English – you have probably noticed in my other comments that my written German is not all too perfect 🙁

    • Ich möchte den Link zu den Podcasts der o.g. amerikanischen Kollegen auch noch einmal empfehlen. Alle US-Addicts finden im Emergency Ultrasound Podcast noch mehr gute Infos und Videos. Ebenso erwähnenswert ist das iBook Projekt derselben Macher, es nutzt alle Vorteile des Mediums iBook mit integrierten Videos und mehr, es kann für etwas über 20 € hier downgeloaded werden (selbst keine disclosures, nix mit dem Projekt zu tun (leider!)).

  2. „im Gegensatz zu US-amerikanischen Kollegen der Emergency Departments in meiner Ausbildung Sonographie und Echokardiographie erlernen durfte“ – Ultraschallausbildung ist mittlerweile seit Jahren Bestandteil aller Emergency Medicine Residency-Programme, meist mit dedizierten Ultraschall-Monaten oder -Schichten, wo man keine andere Aufgaben hat als nur zu Schallen. Die meisten akademischen Emergency Departments haben sogar eine Sektion fuer Notfallsonographie und die Ultrasound Section des American College of Emergency Physicians arbeitet momentan mit Hochdruck daran, dass das bereits etablierte fellowship-Training in Emergency Ultrasound zu Anerkennung einer offiziellen Schwerpunktbezeichnung des Facharztes fuehrt.

    • Ich glaube Michael Christ wollte sich im Post auf die früheren Umstände beziehen. Die gegenwärtige Ausbildung (wahrscheinlich auch in Sonographie) in Deutschland dürfte in den meisten Fällen sicher weitaus schlechter sein als in den USA, da es einfach wenig Teaching-Kultur gibt. Ohne es jedoch aus eigener Erfahrung zu wissen vermute ich einmal dass eigene Ultraschall_programme in EM wahrscheinlich vorwiegend in den akademischen Institutionen vorhanden sind..?

      • Ja, dies trifft sicherlich zu, da Ultraschall hier erst in den letzten 5-10 Jahren Einzug in den aerztlichen Alltag gefunden hat. Zum Teil ist dies auch dadurch begruendet, dass in der Radiologie Sonographien von sogenannten ultrasound techs durchgefuehrt werden, die gespeicherten Bilder werden dann von einem Radiologen spaeter am Computer befundet. Emergency Medicine ist die einzige Fachrichtung, in der Aerzte eine breite Palette von Sono-Untersuchungen selbt durchfuehren. Ultraschall fellowships und sections gibt es v.a. an den akademischen Institutionen, wobei interessanterweise einiges der fruehen Emergency Ultrasound-Pioniersarbeit an community hospitals geleistet wurde. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass das Thema gerade an akademischen Haeusern sehr politisch ist und es zahlreiche Fallstricke gibt, zertifiziert zu werden, als Emergency Physician zertifiziert zu werden Ultraschall zu befunden. Die Radiologen wehren sich da naemlich recht stark dagegen, da natuerlich die Sorge um schwindenden Einfluss und v.a. abrechenbare Untersuchungen existiert.

        • Der Einfluss der Radiologie ist in Deutschland im Bereich Ultraschall nicht solo stark. Ich denke was man regelmässig klar machen muss, ist dass wir symptomfocussierten BEDSIDE-Ultraschall machen. Wir sehen einen Patienten und schallen ein Symptom mit einer klar fokussierten Fragestellung. Dies und die daraus folgende fokussierte Dokumentation müssen wir mehr herausstellen, dann wird auch klar, dass wir den Radiologen nix wegnehmen wollen. Im Übrigen sind die durch uns ZNAs mit konservativer Bildgebung und CT, ggf. auch mal MRT meines Erachtens nach ausreichend beschäftigt 🙂

          • Features of bedside/point-of-care ultrasound:
            – Specific indication
            – Focused
            – Aims at limited number of findings
            – Immediately aids medical decision making
            – Quick
            – Easily learned

          • @Dr. Lars Lomberg: Ja, ich sehe das genauso, fuer „comprehensive“ scans ist meist die Zeit ja auch gar nicht verfuegbar. Leider ist das Thema trotzdem sehr politisch an manchen Institutionen in den USA, neben dem genannten Sorgen der Radiologen um Einfluss und Einkommen spielen auch medikolegale Fragen eine Rolle, die einem den Alltag erschweren. So haben die meisten Kliniken unterschiedliche Anforderungen an den Nachweis der Ultraschall-Kompetenz, zumeist auch aufgesplittert in die einzelnen Applikationen. Wenn man diese nicht erfuellt, dann muss fuer jeden Ultraschall den man macht danach ein „radiology based“-Ultraschall angefordert werden, um die Ergebnisse abzusichern….da vergeht einem dann manchmal die Freude am Schallen recht schnell….

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