Pro und Contra einer Sedierung mit Etomidate

Über den Verteiler von Kollegen Bernhard aus Leipzig bin ich auf diese interessante Arbeit zu Etomidate gekommen: „Pros and cons of etomidate„.

Viele von Ihnen werden natürlich sofort ausführen, weshalb Etomidate beim kritisch kranken Sepsispatienten nicht angewendet werden soll. In dem Artikel werden akribisch alle Für und Wider aufgeführt. Und dies ist sehr interessant …. denn es gibt keine adäquat gepowerte Studie die den Nachteil von Etomidate tatsächlich schlüssig zeigt!Die Kernaussagen des Artikels sind folgende:

1) Etomidate ermöglicht gute Bedingungen für die Intubation ohne den hämodynamischen Zustand des Patienten ungünstig zu beeinflussen. Die hämodynamische Stabilität ist sicherlich einer der wichtigsten Argumente für die Verwendung von Etomidate zur Narkoseeinleitung in der empfohlenen Dosis von 0.3mg/kg KG (evtl. bei Trauma höhere Dosierungen)

2) Etomidate blockiert die Synthese von Corticoide auf ebene der Nebennierenrinde (Blockade der 17 alpha Hydroxylase und damit der Synthese von Cortisol). Möglicherweise ist dies mit einer Zunahme ungünstiger klinischer Endpunkte assoziiert

3) Bei Traumapatienten bzw. Patienten mit Sepsis werden alternative Substanzen vorgeschlagen, um die Kurznarkose einzuleiten. Letztendlich gibt es jedoch keine Studie, die tatsächlich die Unterlegenheit von Etomidate formal nachweist.

Wie gehen wir nun praktisch vor?

Ich bin sehr sehr hin und hergerissen und möchte mich natürlich nicht den allgemeinen Stellungnahmen entziehen. Fakt ist jedoch, dass die propagierten Schlußfolgerungen aus retrospektiven Analsen, methodisch problematischen Studien bzw.Expertenmeinungen und Analogieschlüssel gezogen wurden. Pragmatisch versuchen wir bei obigen Kollektiv die Einleitung mit Etomidate zu vermeiden. Sind die klinisch tätigen Kollegen aber vor allem mit Etomidate vertraut, denke ich, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirklich keine stichhaltigen Argumente gibt, dieses Vorgehen kategorisch zu untersagen. Trotzdem natürlich „a matter of discussion“. Die unerwünschten Wirkungen treten offensichtlich nicht beim „Nicht-Trauma“ bzw. „Nicht-Sepsis“ Patienten auf. Und nicht vergessen …. „nil nocere“

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2 Gedanken zu „Pro und Contra einer Sedierung mit Etomidate

  1. Ein wichtiger Beitrag.
    Trotz der unsicheren Datenlage verwendet ich Etomidate nicht mehr. Ist zwar ein schönes Medikament, aber es gibt genügend Alternativen, die fast immer anwendbar sind und so lange Zweifel an der Sicherheit bestehen lasse ich ein liebgewonnenes Medikament im Schrank liegen, so lange ich es nicht zwingend brauche.
    Stattdessen
    Ketamin+Midazolam
    Fentanyl+Midazolam
    Auch Propofol langsam und niedrig dosiert mit Fenta+Midazolam kombiniert geht oft.
    Bei Narkosen im Notfall ist Noradrenalin 10 ug/ml sowieso immer in einer Spritze aufgezogen.
    Relaxation immer

  2. Man muss sich die Dinge doch genau anschauen, bevor ein Medikament mit einem einzigartigen Sicherheitsaspekt einfach aus dem Regal genommen wird.
    Es ist seit einigen Jahren Mode geworden Etomidat zu verteufeln. Wer „in“ ist und Zeitung liest sagt, dass Etomidat schlecht ist.
    In meinen Augen gibt es aber Akutpatienten, die hämodynamisch schlecht sind, aber kein SIRS haben, und die Etomidat gut vertragen. Das Paradebeispiel ist dafür die hämodynamisch wirksame Kammertachykardie mit Schock. Wenn der Patient die Sedierung überlebt und kardiovertiert ist, ist üblicherweise alles wieder gut. Und hier sind Propofol / Midazolam und Ketanest nur deutlich abgeschlagene 2.Wahl.

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