Therapie der Sepsis oder Kennen Sie Willy Rogers?

Ehrlich gesagt. Ich kannte ihn auch nicht. Er war Komiker, Schauspieler und vieles mehr und galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als der Shooting Star. Bekannt wurde er durch sein wendiges und cleveres Denken und nicht zu letzt durch seine treffenden Zitate:Sein Zitat „When the Okies left Oklahoma and moved to California, they raised the average intelligence level in both states.“ führte zu dem Begriff des „Will Rogers Phänomen“ und steht in der Medizin u.a. dafür, dass eine verbesserte Diagnostik zu mehr Diagnosen einer Erkrankung führt und die über die Zeit beobachtete Reduzierung der Sterblichkeit z.B. bei Krebserkrankungen nicht Folge einer verbesserten Therapie ist, sondern analysebedingt ist (höchst empfehlenswert: Feinstein et al. 1985). Dies bedeutet für uns: Oft angepriesene Erfolge der Medizin müssen kritisch beleuchtet werden. Und dazu ist tiefgreifendes Wissen von Einflussfaktoren, statistischen Effekten und und und …. notwendig.

In diesem Zusammenhang hochinteressant ist eine Analyse von Kaukonen et al. aus Neuseeland und Australien, welche durch ausgeklügelte Methodik einer Zeitreihe von 2000-2012 zum Ergebnis kommen, dass durch moderne intensivmedizinische Methoden und durch Sepsis-spezifische Management Schritte über die Jahre die Sterblichkeit von Patienten mit schwerer Sepsis bzw. Sept. Schock von 2000 mit 35% auf eine Intensivsterblichkeit von 18.4% in 2012 gesenkt werden konnte. Die ausgeklügelte statistische Methodik und noch weitere Faktoren unterstreichen die Validität dieser exzellenten Analyse.

Im begleitenden Editorial, welches ich höchst lesenswert finde, wird der Erfolg dieser Arbeit von Kaukonen et al. herausgehoben und die Limitationen und dabei gebotene Vorsicht gegenüber vergleichbaren Analysen in allen Bereichen der Medizin diskutiert. Das „Will Rogers Phänomen“ steckt letztendlich überall.

Hochinteressant finde ich aber auch die weiteren Thesen, die von Iwashyna et al. im Editorial aufgeworfen werden: Bedeutet eine Reduzierung der Sterblichkeit wirklich den Durchbruch? Oder ist das zentrale Ergebnis, die Sterblichkeit reduziert zu haben und gleichzeitig schwere Limitationen der Lebensqualität hinzunehmen. Ähnliches hatten wir ja bereits vor kurzem im Rahmen der Kraniotomie bei großem Mediainfarkt vorgestellt. Die Forderung der Kommentatoren ist, das Thema Morbidität und Lebensqualität bei akutmedizinischen Interventionen stärker in Analysen zu berücksichtigen. Exzellente Texte! Empfehlenswert!

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