Die Angst geht um …. V.a. Ebola

Immer mehr Flüchtlinge belegen Unterkünfte in Bayern. Da die Bayernkaserne in München wegen einer Masern-Endemie ihren Zugang gesperrt haben, sind die Auffanglager in Nürnberg/Zirndorf überfüllt. Bundestagsabgeordnete „schämen“ sich. Aber auch wir sind von dieser Last im Rahmen der akuten Gesundheitsversorgung betroffen.Da viele Menschen auf engem Raum leben müssen, kommt es natürlich auch zu Krankheiten. Und da einige der Flüchtlinge auch aus Ebola Kristengebieten kommen, entstehen auch bei unserem Personal Ängste. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer davon wirklich mit Ebola infiziert ist, geht gegen Null. Die Flüchtlinge sind weit länger als 21 Tage, der Inkubationszeit von Ebola, unterwegs. Trotzdem …..

Diese Ängste sind begründet. Lesen Sie den eindrucksvollen Bericht eines amerikanischen Infektionsteams, welches einen engen Freund bei der Versorgung von mit Ebola erkrankten Patienten verloren haben. In diesem Artikel wird auch nochmals sehr kritisch diskutiert, welchen Risiken sich ärztliches und pflegerisches Personal aussetzen sollen/müssen. Und Armut ist einer der Hauptfaktoren für das Ausbreiten des hämorrhagischen Fiebers! Auch der Eigenschutz wird als bedeutendes Gut thematisiert!

Auch wir sind vorbereitet und haben einen Algorithmus auf eigene Bedürfnisse adaptiert. Orientierung finden wir auf den hervorragend aufbereiteten Seiten des Robert Koch Instituts, welches aktuellste Informationen einstellt. Diese sind für die Versorgung von Patienten, die möglicherweise ein Risiko einer Infektion haben, für die klinische Praxis der Notfall- und Rettungsmedizin (auch die Rettungsdienstorganisationen haben sich vorbereitet!) von enormer Wichtigkeit. Erhöhte Körpertemperaturen mit Symptomen geben Anhalt, dass Patienten gefährdet sein könnten. Der wichtigste Schritt ist es, eine ausführliche Anamnesse (mit dtl. Abstand und persönlichen Schutzmaßnahmen) zu erheben: Zuallererst ist es wichtig, nach den „Reiseländern“ zu fragen. Ebola Infektionen werden derzeit nur in bestimmten Ländern beschrieben. Diese weiten sich jedoch aus und offensichtlich bestehen Schwierigkeiten, diese Epidemie in den Griff zu bekommen. „Armut“ ist – wie oben bereits ausgeführt – der wichtigste Faktor und die WHO wird ihre Anstrengungen weiter steiger. Desweiteren ist zu fragen nach Kontakt mit Erkrankten bzw. der Angehörigen, Kontakt mit Tieren in den Risikoländern, war Besuch in Höhlen oder Minen. Ich denke, dass Sie und hier Team sich durchaus vorbereiten sollten, um Patienten mit hochkontagiösen Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und die Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

In der aktuellen Ausgabe vom NEJM wird zudem die Ausbreitung von anderen wichtigen, über Vektoren übertragenen Infektionskrankheiten (Dengue, Gelbfieber und Chikungunya) thematisiert. Interessant, dass Viren und Vektoren sich an die Gegebenheiten anpassen und ihre ursprünglichen Umgebungen verlassen. Auch gemäßigte Gebiete können ein möglichen Infektionsort sein.

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2 Gedanken zu „Die Angst geht um …. V.a. Ebola

  1. Lieber Herr Professor Christ,
    sehr schöner Algorithmus – wir haben bei uns etwas sehr Ähnliches installiert. Ich habe noch einen Tipp für Aspekte wie „Verlegung nach München“ oder „sofortige Kontaktaufnahme Gesundheitsamt“: in der Regel sind solche Nummern (insbesondere nachts oder am Wochenende) nicht sofort bei der Hand. Wir haben sie eruiert und alle in den Algorithmus eingebaut. Zusätzlich haben wir verpflichtend bei begründetem Verdacht eine sofortige telefonische Rücksprache mit den Experten des Kompetenzzentrums für hochkontagiöse, lebensbedrohliche Erkrankungen in Frankfurt vorgeschrieben (24/7-Nummer im Algorithmus). Sollte dieser nach telefonischer Darstellung der Verdacht ebenfalls für begründet halten ist aufgrund der Austattungsmerkmale nahezu jeden Krankenhauses in Deutschland (mit Ausnahme der 8 Hochkontagiösenstationen in Deutschland, z.B. am Klinikum Schwabing in München) die sofortige Abverlegung wichtigstes Behandlungsziel.
    Beste Grüße!
    Klaus Weber

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