Ist die routinemäßige Anlage eines Stiff Neck bei Trauma sinnvoll?

Diese Frage habe ich bei einem unserer letzten Qualitätszirkel Notfallmedizin aufgeworfen und erntete allgemeines Kopfschütteln. Dieser „Internist“ mal wieder ….Offensichtlich ist dies aber ein sehr aktuelles Thema, da auch EMS World über die Problematik von Spine Board und Stiff Neck diskutiert.

Folgende Probleme werden bei einer routinemäßigen Anlage eines Stiff Neck gesehen:

1) Schwierigkeiten beim Airway Management einschließlich Aspiration

2) Stiffneck führt zu einer instabilität der oberen Wirbelkörper

3) Erhöhung des intrakraniellen Druckes durch Stiff Neck

4) fehlender Comfort, Druckstellen etc.

5) Akut führt die Verletzung (z.B. bei Schleudertrauma) zu einer reflektiven Muskeltonus, welcher schützend ist. Wie es dann bei der weiteren Versorgung aussieht, müssen andere Überlegungen durchgeführt werden.

Wer detailliert Infos in dieser Frage erhalten möchte, sollte diesen Review lesen.

Nun, soll wir die jetzige Praxis, die auch in ATLS Programm gelehrt wird nun ab heute verlassen? Dies ist eine extrem schwierige Frage, da die Abläufe und Workflows geändert werden müssen. Aber was ist die Alternative? Hier gibt es leider keine ausreichenden Evidenzen, nur wird in EMS World auf Änderungen von Protokollen in verschiedenen US Staaten verwiesen.

Ich schlage deshalb den Verantwortlichen vor, diese Sache kritisch zu diskutieren und Schlußfolgerungen zu ziehen. „Change the mind“ … Vielleicht gelingt es ja, ein derartiges Protokoll nach den Regeln der Kunst zu überprüfen (klinische Interventionsstudie) und diese hochrangig zu publizieren.

 

Wie sagte Winston Churchill: „To improve is to change; to be perfect is to change often.“

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3 Gedanken zu „Ist die routinemäßige Anlage eines Stiff Neck bei Trauma sinnvoll?

  1. Zum Blog: „Ist die routinemäßige Anlage eines Stiff Neck bei Trauma sinnvoll ? “ möchte ich auf einige Dinge hinweisen, die mir bei der Arbeit in verschiedenen Einrichtungen immer wieder auffallen.
    Zunächst : In der deutschen Übersetzung des ATLS Buches findet sich : „Eine HWS –Verletzung erfordert eine kontinuierliche Ruhigstellung des ganzen Patienten mit Zervikalstütze, Kopfimmobilisierung, spineboard, Gurten oder Anschnallspinne , bevor der Patient bewegt und zur definitiven Versorgung transportiert wird. „
    Die englische Version (9th edition) lautet: “Cervical spine injury requires continous immobilisation of the entire patient with a semirigid collar, head immobilisation, backboard, tape, and straps before and after transfer to definitive –care facility.
    Was aber sind Gurte oder Anschnallspinne…?
    Wenn Sie sich die Bilder genau ansehen, dann handelt es sich um die vom College of Emergency Medicine (meine Gratulation : Royal College of Emergency Medicine) empfohlenen 3 point immobilisation in neutral position : collar, head blocks and tape. Natürlich gibt es davon Ausnahmen wie „position of comfort“ bei ankylosierender Spondylitis oder auch keine Anlage des Ganzen bei isolierten Stichwunden am Hals.
    Was aber passiert im täglichen Leben?
    Der Rettungsdienst legt den stiff neck an ( auch dabei werden verschiedene Methoden angewandt) , der Patient liegt aber oft nicht auf spineboard; eine 3 point immobilsation habe ich leider hier nicht gesehen. Er kommt in die Aufnahme und sitzt dort . Das 4-person logroll und clearing of the spine- habe ich bisher hierzulande auch nicht gesehen.
    Bevor wir uns also über die Sinnhaftigkeit des Ganzen Gedanken machen , könnten wir uns doch erst mal fragen, wie wir das überhaupt in Deutschland machen.
    Das Wortspiel „emminence based medicine versus evidence based medicine” verdeutlicht sicher auch die Problematik, mit der wir in Deutschland zu schaffen haben.
    Für die Abnahme des stiffneck hat übrigens das College of Emergency Medicine ebenfalls klare Handlungsrichtlinien herausgegeben. Diese finden sich in der Form nicht im ATLS Buch. Auch mit diesen Kriterien werden Handlungsprinzipien beschrieben, wie im konkreten Fall vorzugehen ist.
    Das Schleudertrauma als naheliegend ist und der stiffneck und erst recht der soft collar ( schon seit längerer Zeit out) werden damit hinfällig.
    Eine Nachfrage bezüglich der stiffneck Dikussion bei dem von mir hoch geachteten Prof. Carley aus Manchester, bei dem ich meine EBM Ausbildung gemacht habe, ergab übrigens ad hoc den Hinweis auf andere Literaturquellen, nicht nur aus US. And finally : Evidence basierte medicine orientiert sich an einer ganz konkreten Fragestellung.
    Dr. J Blunk, M.Sc., Associate Member CEM

    • Doch – in Stralsund habe ich es erlebt, dass strikt nach ATLS vorgegangen wurde und die Versorgung lehrbuchmässig war. D.h. völlige Stille bei Uebergabe meines Patienten und danach ATLS konformes Vorgehen. Bisher in keiner anderen deutschen Klinik so erlebt. Und es war immer hin nachts gegen halb zwei! Muss aber zustimmen, dass die Deutschen riesige Probleme mit Richtlinien haben – nichts im Vergleich zu dem, was wir hier in Westschweden durchfuehren.

  2. Ich als im Rettungsdienst tätiger angehender Mediziner finde die Diskussion um den Stifneck sehr interessant.
    Alle haben immer panische Angst um die HWS – neben den oben genannten Nachteilen natürlich noch die Frage: Hilft ein Stifneck bei einer HWK-Fraktur wirklich? Und inwieweit verbessert er das (neurologische) Outcome danach oder beeinflusst es?
    Gibt es dazu eigentlich eine Studienlage?
    Außerdem auch ein Kostenfaktor bei jedem, der im entferntesten etwas an der HWS haben könnte, ein Stifneck anzulegen…

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