Laktat bei jedem Notaufnahmepatienten bestimmen?

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die frühzeitige Bestimmung von Laktat bei bestimmten Krankheitsbildern … z.B. Sepsis oder Schock … äußerst hilfreich ist, um kritisch kranke, gefährdete Patienten zu erkennen, und diesen die notwendige Therapie anzubieten.
Spannend ist nun der Ansatz von M. Pedersen et al. aus Dänemark. Sie gehen in ihrer aktuellen Publikation der Frage nach, ob erhöhte Laktatspiegel bei allen möglichen Krankheitsentitäten mit einer schlechteren Prognose einhergehen (7 Tages Sterblichkeit).

In der Studie wurden die Daten von allen Notfallpatienten aus Odense, Dänemark, analysiert, die innerhalb der ersten 4h nach Vorstellung eine Blutgasanalyse erhalten haben. Dazu klassifizieren sie Patienten mit einem Laktat <2,0 mmol/L als niedrige Laktatgruppe, >4mmol/L als Hoch und dazwischen als Intermediate. In der Gesamtkohorte sind die Laktatspiegel mit der Prognose assoziiert (niedrig: 2.9% 7-Tagessterblichkeit; intermediate: 7,8% und High: 23.9%). Bei neurologischen Erkrankungen, sowie bei hepatologischen und nephrologischen Erkrankungen lässt sich diese Assoziation nicht nachweisen.

Die Studie ist aus meiner Sicht hochinteressant und wirft einige Fragen auf: Sicherlich ist die Aussage nicht generalisierbar, weil nur ein Teil der Patienten eine BGA erhalten hat (Selection Bias). Außerdem ist diese retrospektiv durchgeführt und es wäre hochinteressant, eine entsprechende Analyse für die Vorstellungssymptome zu erhalten.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist es außerdem, erhöhte Laktatspiegel nicht nur als Marker für Hypoperfusion zu sehen. Erhöhte Laktatspiegel sind u.a. auch als Folge eines gestörten Metabolismus bzw. eines reduzierten Clearance zu interpretieren. Diese verschiedenen Fragen an Laktat sind hervorragend in einem begleitenden Editorial im EMJ zusammengestellt. Dieses ist ebenfalls sehr lesenswert! Wichtig ist, die Bedeutung eines Markers (hier Laktat) in Bezug auf Diagnosestellung (niedrige Spezifität für Laktat), Prognoseabschätzung (hohe Spezifität für Lakatat) und die Gesamtbedeutung im klinischen Stellenwert zu sehen (hier gibt´s nicht viel zu Laktat, außer kritisch zu würdigende Studien zur Sepsistherapie von Jones et al. JAMA 2010 )

Also: Wie bei jeder diagnostischen Methode muss die Indikation stehen (=Arbeitshypothese liegt vor). Eine Screening von Laktatspiegel bei jedem Notfallpatienten ist wenig zielführend. Klassisches Beispiel ist die undifferenzierte Bestimmung von D-Dimeren in der Notaufnahme.

Das war´s. Ansonsten ist alles im Lot hier im sonnigen Nürnberg. Stay tuned. Weitere Beiträge folgen …

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