Klinische Notfallmedizin ein Auslaufmodell?

Vor wenigen Tagen hatte ich das Thema „Notfallmedizin“ und Politik kurz diskutiert (Politics go on …). Es war ein gut geschriebener Leserbrief im Dt. Ärzteblatt erschienen.
Falls die Kommentierung meines Beitrags untergegangen sein sollte, möchte ich an dieser Stelle auf eine Antwort des Kollegen auf meinen Post eingehen.

Die Hauptargumentation des kommentierenden Kollegen ist, dass die „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ gescheitert ist, da durch Schaffung dieser neuen Abteilung Grenzen entstehen würden, die in einer angespannten Arbeitssituation in einem Krankenhaus zu Schwierigkeiten bei der Bettendisposition führen würde. Wenn man als „Federführender Fachspezialist“ seine Klinik kennen würde, wäre auch bei enger Belegungssituation immer noch was möglich … und das deutlich einfacher.

Ich glaube, dass wir mit dem Thema „Klinische Notfallmedizin“ ein typisches Problem der subjektiven Wahrnehmung der Realität haben. Würde man Pflegekräfte fragen, würden die Einschätzung des Kollegen anders sein, aber es gibt sicherlich viele, die ähnlich wie Kollege Eisenblätter argumentieren. Meine Wahrnehmung ist, dass durch die Schaffung einer neuen Einheit „Notaufnahme“ und des sich darum kümmerns, viele täglichen Probleme in der Versorgung betroffener Notfallpatienten erst evident wurden und dadurch Lösungen bewirkt wurden.

Welche Möglichkeiten gibt es, dieses Problem der unterschiedlichen „Positionen“ aufzulösen? An dieser Stelle möchte ich einen Vergleich mit der produzierenden Industrie nehmen: Sie kennen das Beispiel von Lean Management von Toyota bzw. die Schwierigkeiten der deutschen Industrieunternehmen Ende der 1980er Jahre auf die sich verändernden Herausforderungen im weltweiten Wettbewerb einzustellen. Nach Analyse der Probleme und unter begleitendem „Change Management“ wurden die Abläufe innerhalb der Betriebe umgestellt und werden auch jetzt schrittweise verbessert.

„Just in Time“ wäre in den großen Unternehmen der Jetztzeit ohne die notwendige Umorganisation nicht möglich. Einen ähnlichen Weg werden auch Krankenhäuser beschreiten müssen. Die Gesellschaft/ Politik will die Kosten im stationären Bereich senken und weniger bezahlen, die Qualität muss aber stimmen. Dies wird nur möglich sein, indem Abläufe reorganisiert werden und neue Wege begangen werden. Und hier ist die Chance der klinischen Notfallmedizin.

Wie sagte der einflussreiche Vordenker des amerikanischen Instituts für Qualität in der Medizin, Donald Berwick: „Every system is perfectly designed to get the results it gets“ … wenn man es anders möchte, muss das System verändert werden.

Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch über die Fächergrenzen zu schauen: In USA wird „Collaborative Care“ bei psychiatrischen Syndromen immer mehr beschritten. Die zentrale Arbeit wurde 2002 in JAMA publiziert, hier noch ein aktueller frei zugänglicher Review. Mit anderen Worten … die Arbeitsteilung und das Arbeiten in einem Netzwerk schreitet voran …

Das war´s für heute, sehr spannendes Thema! Also … bis bald, stay tuned!

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