Hochrisikobereich Notaufnahme – Auch für Mitarbeiter belastend

Die Tätigkeit in einer Notaufnahme ist extrem spannend, aber auch äußerst anstrengend. Es ist nicht verwunderlich, dass viele ärztliche und nicht-ärztliche Mitarbeiter sich überlastet und überarbeitet fühlen. Gespräche außerhalb der Arbeit drehen sich häufig um das gleiche Thema: Die tägliche Überlastung, die Auseinandersetzung mit anderen Abteilungen, grausame Erlebnisse und und und ….

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Bild aus dem Internet (Zugriff von http://mobbing-und-burnout.sozialnetz.de/global/show_picture.asp?id=aaaaaaaaaaahtcp&w=&h=&gray=&neg=&mirror=&flip=&rleft=&rright=&r180=&thres=&dither=&crize=&srgb=&noise=&cont=&jitter=&blur=&edge=&emboss=&pseudo=&painter=&repair=&sharpen=&soften=&gauss33=&gauss55=&light=&contrast=&crop=)

Aus England kommt nun eine Übersichtsarbeit , die sich systematisch dieses Themas annimmt. Es gibt zahlreiche publizierte Arbeiten über die hohe psychische Belastung in Krankenhäusern oder auch Notaufnahmen, aber leider nur wenige Arbeiten, wie dieser Belastung entgegnet werden könnte.

Wichtige Faktoren für das Gefühl der hohen Arbeitsbelastung sind die hohe Arbeitslast per se und auch die Anforderungen, die durch schnelle Entscheidungen unter hohem Zeitdruck bedingt sind. Ich beobachte immer wieder junge Kollegen, die mit Angst ihre ersten Dienste in der Notfallversorgung ableisten. Die derzeitige Ausstattung an personellen Ressourcen lässt eine bessere Begleitung häufig nicht zu. Auch die Aussage von Altgedienten, „da musste ich auch durch“, ist wenig zielführend und zeigt fehlende Initiative für innovative Problemlösungen auf. Auch das Gefühl, die Kontrolle über die eigene Arbeit verloren zu haben, und die unzureichende Anerkennung für die eigene Leistung tragen zu der beschriebenen Anspannung bei. Folge ist „Compassion Fatigue“ …. Ich habe bewusst den englischen Ausdruck gewählt, da mir kein vergleichbar zutreffender Ausdruck in der deutschen Sprache geläufig ist.

Ich glaube, dass diese Arbeit durchaus die Punkte thematisiert, wie sie auch in deutschen Notaufnahmen zutreffen. Offensichtlich haben verschiedene Gesundheitssysteme mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede.

Was kann man nun für die eigene Mannschaft tun? Nur zwei Studien widmen sich diesem, eigentlich essentiellen Thema: Während Aromatherapie und Massage für Pflegende zur Linderung beigetragen haben, zeigte ein Programm zur Schulung von „Mindfulness“ nicht die erhofften Befunde. Auch andere Interventionen („Buddy System“, körperliches Training, mehr Kontakt mit der Familie) wurden genannt, aber nicht ausreichend untersucht. Vielleicht kann man aus diesen Erfahrungen ableiten, dass die Therapie eines Symptoms nicht so der richtige Weg ist, sondern eher die Ursache vermieden werden sollte. Prävention ist aus meiner Sicht hier das geeignete Wort!

Insgesamt finde ich es dennoch sehr hilfreich, dass dieses Thema aufgegriffen und thematisiert wird. Sicherlich weist ein Großteil unserer Mitarbeiter zumindest in „Burnout Risiko“ auf, auf der anderen Seite tauchen medizinische und psychologische Probleme auf, die zum Gebrauch von Alkohol oder Drogen einladen. In den USA habe ich einen interessanten Ansatz kennengelernt. Langjährige Mitarbeiter von Notaufnahmen werden zeitweise in anderen Tätigkeitsfeldern aktiv, können Know-How ihrer Tätigkeit in andere Bereiche übertragen und können selbst wieder etwas Luft tanken. Sie arbeiten dann oft nur in reduziertem Umfang in der Notfallversorgung. Rotationen in andere Verantwortungsbereiche (Lehre, Forschung, Public Health ….) können eine hilfreiche Option sein!

By the way: Auch „The Lancet“ widmet sich dem Thema des Burnouts unter Medizinern ganz allgemein. Das beiliegende Editorial stellt aus meiner Sicht weitere, sehr hilfreiche Themen auf. Ein absolutes Muss, diese Artikel zu lesen!

Ich glaube, dass das im Artikel angesprochene Thema aktueller denn je ist. Beiträge in Tageszeitungen aber auch Reportagen im Fernsehen belegen meine Einschätzung. Langfristige Lösung könnte sein, die Arbeitsintensität für den Einzelnen zu reduzieren, die Kontrolle der Mitarbeiter über ihre Tätigkeit wieder zurückzugeben und ihre Leistung in der Notfallversorgung mehr anzuerkennen. Eigentlich ganz vernünftige Gedanken. Momentan schaut die Realität in Deutschland anders aus. Inwieweit Änderungen in den aktuellen Zeiten mit immer mehr Arbeitsverdichtung, limitierten Ressourcen etc. tatsächlich möglich sind, muss jeder für sich selbst beurteilen.

Das war´s mal wieder aus Nürnberg mit einem aktuellen, wirklich schwierigen Thema. Stay away from problems today and join again!

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