Och, da machen wir nichts mehr …. der ist zu alt!

Diese oder ähnliche Aussagen hört man gelegentlich, wenn Patienten auf Intensivstation oder in der Notaufnahme eingeliefert werden. Aber wie ist es denn wirklich? Gibt es verlässliche Daten, um daran seine medizinische Entscheidung zum Therapieabbruch ableiten zu können? Weiterlesen

Demenzsensibles Krankenhaus

Nun, die Jahrestagung der DGINA ist vorbei. Gratulation an die Organisatoren und insbesondere natürlich an die Kongresspräsidenten Dr. B. Hogan und Dr. M. Wünning aus Hamburg and group. Sogar der Spiegel hat von unserer Tagung berichtet … Chapeau! Jedoch: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Prof. Dormann aus Fürth und ich freuen uns natürlich schon jetzt, alle Notfallmediziner im nächsten November in der Metropolregion  Nürnberg-Fürth mit dem Motto „DGINA im Dialog“ begrüßen zu dürfen. Weiterlesen

Ältere Patienten in der Notaufnahme …

Das Thema mit den älteren Patienten in der Notaufnahme lässt mich nicht los. Es scheint mir sehr wichtig, da uns diesbezüglich in unserer Ausbildung (und auch Weiterbildung bzw. Fortbildung) nur wenig Nützliches mitgegeben wurde und wird.

Diesem wichtigen Thema widmete sich nun das British Medical Journal in einer exzellenten Serie (Zugriff aus dem Intranet unserer Klinik möglich, Alternativen gibt es auch). Bitte lassen Sie sich von den Gedanken der Autoren mitnehmen, wirklich spannend und interessant zu lesen:

.Alkohol und Medikamentenabusus von Älteren
.Erfassung der kognitiven Einschränkung von älteren Patienten
.Evaluierung von Sturzgefährdung
.Funktionelles Assessment von älteren Patienten
.Wie kann man die Personen unterstützen, die sich um ältere Patienten kümmern?

Sie merken, diese Thematik ist sehr vielschichtig. Erschütternd ist die eingeschränkte Versorgungsqualität von älteren Patienten in der Klinik (in Deutschland wollen wir dies lieber gar nicht messen oder uns darauf einlassen). Nachdenkenswert ist, dass ältere Patienten mehr Unterstützung in sozialer Hinsicht benötigen würden und gar nicht so auf die von uns innig geliebte medizinische Technik stehen. Sehr gut beschrieben ist dies in dem Artikel von O’Dowd et al, BMJ 2011. Tatsächlich hatte ich auf der Postersession der DGIM ein interessantes Poster gesehen, in dem als wichtiges Ergebnis einer Befragung von älteren Patienten war, dass sie vor allem ihre Autonomität erhalten möchten. Klingt irgendwie logisch …. wir urteilen aber häufig mit anderem Maß … (=aus Sicht unserer rosaroten Brille!).

Das Ergebnis, dass geriatrisches Assessment zu einer besseren Patientenversorgung führt, dürfte auch auf das intensivere Beschäftigen mit den älteren Patienten und deren Sorgen zu tun haben.

Vielleicht lässt sich durch intensiveres Eintauchen in diese Thematik auch mehr Verständnis und damit auch Empathie für die betroffenen Patienten älterer Jahrgänge erzielen. Zumindest sollten wir dieses Ziel erreicht haben, wenn wir selbst zu diese Personengruppe gehören …..

Weihnachten 2011 – Schwester Lisa klagt ….

…. oh, die Sanis bringen schon wieder ein Patient mit AZ-Verschlechterung …. und eine längere, zunächst ungerichtete Diagnostik beim betroffenen älteren Patienten beginnt. Es endet meist mit der Diagnose …. der hat eine Exsikkose … aber warum hat ein vorher unbeeinträchtigter Patient plötzlich eine Exsikkose, obwohl er – trotz seines Wohnens im ‚betreuten Wohnen‘ oder ‚Altersheim‘ – vorher absolut selbständig war?

An vergleichbare Krankengeschichten kann ich mich ebenfalls bestens während meiner Ausbildung erinnern. Aber müssen diese Situationen immer in einem diagnostischen Nihilismus verlaufen (d.h. eine verzweifelte Untersuchung nach der anderen?)

Meine Antwort lautet … NEIN. Doch lassen Sie mich systematisch dieses Problem angehen. Formal stellen sich diese in der Vignette dargestellten Patienten mit einer „kognitiven Einschränkung“ bzw. einer „qualitativen Bewußtseinsstörung“ vor. Dies sollte man bewußt so benennen, da sich daraus ein klarer diagnostischer Ansatz ableitet: Ältere Patienten mit diesem Syndromkomplex haben meist 1) eine Infektion (z.B. Pneumonie, Harnwegsinfekt), 2) eine kardiale Dysfunktion(z.B. Herzinsuffizienz, Herzinfarkt), 3) eine Elektrolytstörung (z.B. Hyponatriämie, auch bedingt durch 1 oder 2) oder 4) eine Medikamentennebenwirkung (z.B. Psychopharmaka). Also, einfach diese Punkte systematisch abarbeiten, und das Problem ist rasch gelöst und die Beschwerden – bei adäquater Therapie – beseitigt.

Die Thematik des kognitiven Assessments bei Älteren bzw. oben geschilderter Situation wird sehr praxisnah in einem aktuellen Übersichtsartikel von J Young et al im BMJ bearbeitet. Ein Kommentar von Michael Marks betont jedoch, dass ein generelles Screening mit Assessment-Batterien für Ältere (ein Hobby von einigen Kollegen 😉 ) vermutlich nicht die Lösung darstellen wird. Auch nicht in der Notaufnahme ….
Was denken Sie?