Encourage Browsing – Sepsisleitlinien tatsächlich Evidenz-based?

Beim Durchblättern verschiedener Publikationen zur Sepsis bin ich auf eine aus dem letzten Jahr stammende Arbeit von Marik gestossen.

In einem exzellenten Artikel bespricht er, welche Interessen möglicherweise die Erstellung der Sepsisleitlinien 2004 beeinflußt haben könnten. So wurde der Convent u.a. von Lilly gesponsert und es wurde unterstellt, dass Lilly die Leitlinien als Marketing-Instrument verwendet. Aber seit dem Rückzug von akt. Prot. C vom Markt dürfte dies Schnee von gestern sein und hinterlässt doch einen schalen Beigeschmack.

Aber nun zum eigentlichen Thema: Was ist Evidenz-basiert in der Sepsis-Therapie? Weiterlesen

Blut ist ein besonderer Saft

Es mag für einige eine Wiederholung bekannten Wissens sein. Trotzdem wird der Grenzwert, ab welchem Hb Wert transfundiert werden soll, heftig in der Community diskutiert Eine Cochrane Analyse kommt zum Ergebnis, dass eine restriktive Transfusionspolitik bei Patienten ohne kardiovaskulärem Risiko sicher ist und die Rate an Infektionen reduziert. Die Situation bei Patienten mit kardiovaskulärem Risiko ist unklar.

Aus diesem Grund ist eine vor kurzem veröffentlichte Publikation im New England Journal zu einer restriktiven (Hb 8g/dL) gegenüber einer liberaleren Transfusionspolitik (Hb 10g/dL) interessant. Hauptergebnis der bei über 2000 Patienten mit orthopädischer Operation und erhöhten kardiovaskulärem Risiko durchgeführten Studie ist, dass der primäre Endpunkt in beiden Studienarmen gleich ist, d.h. eine restriktivere Transfusionsgrenze ist möglich und erspart Transfusionen, ohne dass unerwünschte Ereignisse in diesem Risikokoloektiv zu erwarten sind. Ein begleitendes Editorial diskutiert die verschiedenen Gedanken und Argumente und gibt auch noch Infos zu einer Meilensteinstudie zum Thema im Setting der Intensivstation.

Was sind für uns die Hauptbotschaften?
Eine Transfusion wird in unserer Klinik bei einem Hb von 7-8g/dL erwogen. Mir ist wichtig, dass man nicht starr nur auf den Hb Grenzwert schaut, sondern auch die Dynamik von Erkrankungen (z.B. Hämorrhagie bei GI Blutung) bzw. Komorbiditäten des Patienten berücksichtigt. Auch die Transfusion von zunächst einer Konserve kann durchaus ausreichend sein (es muss nicht gleich ein Doppelpack sein) und man sollte mit diesem teueren Saft, der für den Empfänger auch Risiken birgt, sorgsam und sparsam umgehen. Bei einer chronischen Anämie mit einem Hb vo 6.5 g/dL ohne große Beschwerden, würde ich auch mal auf die Gabe eines EK verzichten.
Nur bei einem akuten Myokardinfarkt (9-10g/dL Hb) bzw. im Rahmen des Sepsismanagement-Bundles halten wir uns nicht an die beschriebene restriktive Transfusionspolitik.

Und dann noch was ganz, ganz Wichtiges: Beachten Sie die Vorschriften zum Anhängen des Blutbeutels! Korrektes Identifizieren des Patienten, des Blutbeutels, aber auch Durchführung und Dokumentation des Bedside Tests! Diese Zeit muss man sich nehmen! Und sich nicht stören oder unterbrechen lassen! Hier handelt es sich um einen Hochrisikoeingriff!